Brandschaden – Wann zahlt welche Versicherung?

Zuletzt aktualisiert am 7 Jun, 2024 | Ratgeber, Ratgeber zu Brandschaden

Ein Brandschaden kann verheerende Folgen haben, nicht nur für Gebäude und Eigentum, sondern auch für die Sicherheit und das Wohlbefinden der Betroffenen. In solchen Situationen ist es entscheidend zu wissen, welche Versicherung für welche Schäden aufkommt. Wir informieren Sie über die verschiedenen Versicherungsarten und deren Deckungsumfang im Falle eines Brandschadens.

Welche Versicherungen können bei einem Brandschaden relevant sein?

Bei so vielen Versicherungen verliert man gerne mal den Überblick, deshalb schauen wir uns die einzelnen Versicherungen im Detail an, die spezifisch für Brandschäden und deren Abdeckung, also Brandschaden Versicherungen, relevant sind.

1. Gebäudeversicherung
Die Gebäudeversicherung ist ein unverzichtbarer Schutz für Hausbesitzer, um ihr Eigentum vor den finanziellen Folgen von Brandschäden zu bewahren. Im Falle eines Brandes deckt diese Versicherung in der Regel nicht nur die offensichtlichen strukturellen Schäden am Gebäude selbst ab, sondern auch Schäden an fest verbauten Gegenständen wie Fußböden, Decken und Wänden. Das bedeutet, dass nicht nur die Kosten für Reparaturen an der Gebäudestruktur, sondern auch für die Wiederherstellung der Grundausstattung des Gebäudes durch die Versicherung getragen werden.

2. Haushaltsversicherung – Schutz für bewegliches Eigentum
Die Haushaltsversicherung ist ein unverzichtbarer Schutz für das bewegliche Eigentum innerhalb eines versicherten Gebäudes. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Versicherung nur für bewegliche Gegenstände gilt, also für Möbel, Elektronik, Kleidung und persönliche Wertgegenstände, die nicht fest installiert sind. Sanitäre Anlagen und fest verbaute Gebäudeteile sind normalerweise nicht durch die Haushaltsversicherung abgedeckt.

Es gibt häufig Missverständnisse darüber, ob die Haushaltsversicherung automatisch für alle Schäden im Falle eines Feuers aufkommt, solange sie nicht vorsätzlich verursacht wurden.
Wichtig zu wissen ist daher, unter welchen bestimmten Bedingungen eine Deckung des Schadens gegeben ist.
Beispielsweise sollte im Vorfeld mit dem jeweiligen Versicherungsunternehmen geklärt werden, ob eine Feuerversicherung in der Haushaltsversicherung enthalten ist und unter welchen Bedingungen die Kosten eines Brandschadens abgedeckt sind.

Eine klare Absprache und das Verständnis der Versicherungsbedingungen sind entscheidend, um im Falle eines Brandes optimal abgesichert zu sein.

3. Feuerversicherung – Schutz vor vielfältigen Risiken
Die Feuerversicherung ist eine spezielle Form der Absicherung, die ein breites Spektrum von Risiken abdeckt. Sie schützt vor den finanziellen Folgen von Schäden, die durch verschiedene Ursachen entstehen können, darunter Brand, direkter Blitzschlag, Explosion, Absturz von Flugzeugen sowie Folgeschäden durch Rauch, Ruß und Löschwasser.

Obwohl in Österreich die Feuerversicherung keine Pflichtversicherung ist, macht sie dennoch einen unverzichtbaren Bestandteil der Absicherungsstrategie für Gebäude und bewegliche Gegenstände aus.
Im Falle eines Schadensereignisses übernimmt die Versicherung in der Regel die Kosten für Reparaturen oder den Ersatz beschädigter Eigenschaften und bietet somit einen umfassenden Schutz vor den finanziellen Auswirkungen eines Brandschadens.

4. Privathaftpflichtversicherung
Die Privathaftpflichtversicherung übernimmt die Kosten, wenn durch Unachtsamkeit, Fahrlässigkeit oder technische Defekte ein Brand ausbricht und benachbarte Gebäude beschädigt werden. Dabei werden Schadensersatzansprüche und rechtliche Kosten abgedeckt. In einigen Fällen übernehmen zunächst die Wohngebäude- oder Hausratversicherung des Verursachers die Schadensregulierung bei den Nachbarn. Wenn der Mieter nicht grob fahrlässig handelt, ist der Vermieter oder dessen Versicherung für die Schäden verantwortlich. Es ist wichtig, bei der eigenen Versicherung nachzufragen, welche Kosten übernommen werden.

Bei unbeteiligter Schuld muss sich der Vermieter um die Schadensbeseitigung kümmern, während die Haushaltsversicherung des Mieters für beschädigte Einrichtungsgegenstände aufkommt.

Was gilt als grobe Fahrlässigkeit?

Im Kontext von Versicherungen wird grobe Fahrlässigkeit definiert als eine erhebliche Verletzung der erforderlichen Sorgfalt, bei der der gesunde Menschenverstand außer Acht gelassen wird. Dies bedeutet, dass man potenzielle Gefahrenquellen aufmerksam beobachten und proaktiv absichern sollte. Ein klassisches Beispiel für grob fahrlässiges Verhalten im Zusammenhang mit einem Brandschaden ist das Verlassen einer Kerze oder einer Kochstelle, ohne diese zuvor zu löschen bzw. abzuschalten. Auch der unsachgemäße Umgang mit technischen Geräten und die Vernachlässigung ihrer Sicherung fallen in diese Kategorie.

Bedenken Sie anhand der folgenden Beispiele, in welchen Situationen menschliches Verhalten als grobe Fahrlässigkeit, die zu einem Brand führen kann, interpretiert werden kann:

  • Fettbrand in der Küche: Es ist äußerst riskant, heißes Fett auf dem Herd unbeaufsichtigt zu lassen.
  • Elektrische Lichterketten und Kabel: Die Brandgefahr, die von elektrischen Lichterketten ausgeht, wird oft unterschätzt. Brände können beispielsweise durch defekte Netzteile verursacht werden. Es ist wichtig, Verlängerungskabel niemals unter Teppichen zu verlegen.
  • Feuerwerk an Silvester: Um Schäden durch fremde oder eigene Feuerwerkskörper zu vermeiden, sollten alle Fenster, Balkontüren, Jalousien oder Rollläden geschlossen werden. Zusätzlich sollten alle leicht brennbaren Gegenstände von Balkon, Terrasse und aus dem Garten entfernt werden.
  • Platzierung von Haushaltsgeräten: Kaffeemaschinen, Trockner, Wasserkocher und ähnliche Geräte sollten niemals auf brennbaren Unterlagen platziert werden oder in der Nähe von brennbaren Gegenständen stehen.

Wann spricht man von einem Brand?

    Ein Brand liegt vor, wenn Feuer seinen ursprünglichen Ort verlässt oder ohne eine solche Quelle entsteht und sich unkontrolliert ausbreitet.
    Zum Beispiel, wenn Funken aus einem Kamin springen und an anderer Stelle Feuer fangen. In solchen Fällen spricht man von einem Brand, der potenziell erheblichen Schaden verursachen kann.

    Welche Arten von Brandschäden gibt es?

    Schäden an Gebäuden
    Brandschäden an Gebäuden können vielfältig sein. Sie reichen von strukturellen Schäden wie beschädigten Wänden, Decken und Böden bis hin zu schwerwiegenden Schäden an tragenden Elementen wie Stahlträgern oder Betonkonstruktionen.

    Inhaltschäden
    Inhaltschäden betreffen die Einrichtung und persönliche Gegenstände in einem Gebäude. Möbel, Elektronik, Kleidung und andere Besitztümer können durch Feuer, Rauch und Löschwasser beschädigt werden.

    Rauchschäden
    Rauch kann weitreichende Schäden verursachen, auch wenn das Feuer selbst begrenzt war. Rauch dringt in Materialien ein und hinterlässt oft unansehnliche und geruchsintensive Rückstände, die schwer zu entfernen sind.

    Wasserschäden (durch die Löschmaßnahmen, etc.)
    Die Löschmaßnahmen bei einem Brand können zu erheblichen Wasserschäden führen. Das Löschwasser kann in Böden, Wände und andere Materialien eindringen und zu Schimmelbildung und strukturellen Schäden führen.

    Brandgeruch und Rußablagerungen
    Brandgeruch und Rußablagerungen sind oft schwer zu beseitigen und können lange nach dem Brand bestehen bleiben. Sie können sowohl gesundheitliche als auch ästhetische Probleme verursachen. Wie Sie mit Brandschäden umgehen, erfahren Sie hier.

    Strukturelle Schäden an elektrischen Systemen
    Brände können auch die elektrischen Systeme eines Gebäudes beschädigen. Überhitzte Drähte, beschädigte Schalter und ausgefallene Schaltkreise sind häufige Folgen von Brandereignissen.

    Betriebsunterbrechungen
    Brände können zu erheblichen Betriebsunterbrechungen führen, insbesondere in gewerblichen und industriellen Umgebungen. Produktionsausfälle, Stillstandzeiten und Umsatzverluste können die Folge sein.

    Sengschaden
    Ein Sengschaden tritt auf, wenn Materialien in der Nähe eines Feuers erhitzt werden, aber nicht in Flammen aufgehen. Dies kann zu Verfärbungen, Verformungen und anderen Schäden führen.

    Verpuffungsschaden
    Eine Verpuffung ist eine explosionsartige Verbrennung von Gasen oder Dämpfen. Verpuffungsschäden können durch den plötzlichen Druckanstieg schwere Schäden an Gebäuden und Einrichtungen verursachen.

     

    Gewerbe vs. Privathaushalt: Die entscheidenden Unterschiede in der Versicherungswelt in Bezug auf Brandschäden

    Bei der Wahl der richtigen Versicherung spielt nicht nur der individuelle Bedarf eine Rolle, sondern auch die Art des Versicherungsnehmers. Gewerbebetriebe und Privathaushalte haben unterschiedliche Versicherungsanforderungen und -prioritäten. Hier sind die wichtigsten Unterschiede:

    1. Versicherungsbedarf
    Gewerbebetriebe stehen in der Regel vor komplexeren Risiken als Privathaushalte. Daher benötigen sie spezielle Versicherungen wie Betriebsunterbrechungsversicherung, Haftpflichtversicherung und Berufshaftpflichtversicherung, um ihre geschäftlichen Interessen zu schützen. Privathaushalte hingegen konzentrieren sich in der Regel auf grundlegende Versicherungen wie Hausrat- und Haftpflichtversicherung.

    2. Deckungsumfang
    Gewerbeversicherungen bieten maßgeschneiderte Deckungsoptionen, die speziell auf die Risiken und Bedürfnisse eines Unternehmens zugeschnitten sind. Diese können von Branche zu Branche stark variieren. Auf der anderen Seite bieten Privatversicherungen standardisierte Deckungen, die auf die Bedürfnisse von Privatpersonen abgestimmt sind.

    3. Prämienkosten
    Die Kosten für Gewerbeversicherungen sind in der Regel höher als die für Privatversicherungen. Dies liegt daran, dass Gewerbebetriebe größere Vermögenswerte zu schützen haben und einem höheren Risiko ausgesetzt sind. Privathaushalte hingegen haben in der Regel weniger Risiken und benötigen daher weniger Versicherungsleistungen, was zu niedrigeren Prämien führt.

    4. Vertragsbedingungen
    Gewerbeversicherungen haben oft komplexere Vertragsbedingungen und Ausschlüsse, die auf die spezifischen Risiken des Unternehmens zugeschnitten sind. Dies kann für Nicht-Experten verwirrend sein. Privatversicherungen hingegen haben in der Regel klare und leichter verständliche Vertragsbedingungen, die den Bedürfnissen von Privatpersonen entsprechen.

    Wie sinnvoll ist eine Feuer-Betriebsunterbrechungsversicherung für Unternehmen?

    Eine Feuer-Betriebsunterbrechungsversicherung ist eine spezielle Form der Versicherung, die Unternehmen vor den finanziellen Folgen einer Betriebsunterbrechung aufgrund eines Feuers oder eines anderen versicherten Risikos schützt.
    Diese Versicherung ist besonders sinnvoll für Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit stark von einem reibungslosen Ablauf abhängt und die bei einer Betriebsunterbrechung erhebliche finanzielle Verluste erleiden würden. Sie deckt eine Vielzahl von Kosten ab, die während einer Betriebsunterbrechung weiterhin anfallen, darunter Gehälter, Mieten, Kreditrückzahlungen und andere laufende Ausgaben.

    Darüber hinaus kann sie auch zusätzliche Maßnahmen zur Wiederherstellung des Geschäftsbetriebs abdecken, wie die Anmietung temporärer Räumlichkeiten oder die Beschaffung von Ersatzmaschinen.
    Die Feuer-Betriebsunterbrechungsversicherung richtet sich an Unternehmen jeder Größe und Branche, die durch einen Brand oder ein anderes versichertes Risiko betroffen sein könnten und bei denen eine Betriebsunterbrechung zu finanziellen Verlusten führen würde.

    Insgesamt ist sowohl Gewerbebetrieben als auch Privathaushalten zu empfehlen, die Versicherungsbedürfnisse sorgfältig zu analysieren und jene Versicherungsdeckung zu wählen, die am besten zu den jeweiligen individuellen Risiken und Bedürfnissen passt. Eine gründliche Beratung mit einem Versicherungsexperten kann dabei helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

    Fazit

    Ein Brandschaden kann verheerende Folgen für Gebäude, Eigentum und die Betroffenen haben. Dieser Artikel zeigt auf, dass es verschiedene Arten von Brandschadenversicherungen gibt, die helfen können, die finanziellen Folgen eines Brandes zu bewältigen. Obwohl der Abschluss einer solchen Versicherung keine gesetzliche Pflicht ist, ist sie ein unverzichtbarer Schutz für Gewerbebetriebe und Privathaushalte.

    Es ist wichtig, die individuellen Versicherungsbedürfnisse sorgfältig zu prüfen und die richtige Deckung zu wählen. Für weitere Informationen darüber, was man nach einem Brand wissen und beachten muss, empfehlen wir unseren ausführlichen Ratgeber zu diesem Thema

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